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Die Geschichte der Aramäer
Das aramäische Volk findet seine wohl bedeutendste Erwähnung im Alten Testament. In der Völkertafel von Gen. 10 wird Aram als fünfter der Söhne Sems genannt: „Und dies sind seine Söhne: Elam, Assur, Arpachschat, Lud und Aram. Aber die Söhne Arams sind diese: Uz, Hul, Geter und Masch.“ Als Nachfahren Arams sind die Aramäer Semiten.
 
Weitere bedeutende Erwähnungen der Aramäer finden sich in den Erzeltern-Erzählungen des Alten Testaments: Jakob flieht von Kanaan nach Harran im oberen Chaburtal zu seinem Onkel, dem Aramäer Laban (Gen. 28,5). Seine Heirat mit dessen beiden Töchtern, die ihm 12 Söhne gebären, führt zu engster Verbindung mit den Aramäern. Aber auch bereits Jakobs Mutter Rebekka war von der Verwandtschaft bei Harran, der Stadt Nahors, geholt worden (Gen. 24, 10). Im Eingangstext des so genannten kleinen geschichtlichen Credo steht: „Ein umherziehender Aramäer war mein Vater, er zog nach Ägypten hinab und hielt sich dort als Fremdling mit wenigen Angehörigen auf; aber er wurde dort zu einem großen, starken und zahlreichen Volk (Dtn 26,5). Diese Erzählungen bewahren offensichtlich die Erinnerung an enge Kontakte in der Frühzeit der aramäischen und israelitischen Stämme.

Bei diesen umfangreichen Angaben des Alten Testaments handelt es sich allerdings um Texte, die erst ab dem 10. Jahrhundert v. Chr. schriftlich festgehalten wurden, und es bleibt zu überprüfen, wie weit die mündliche Vorgeschichte zurückreicht. Textfunde aus dem 14. und 13. Jahrhundert v. Chr. lassen die Aramäer das erste Mal erscheinen. Die frühesten eindeutigen Erwähnungen der Aramäer sind dann in assyrischen Texten vom Ende des 12. Jahrhunderts v. Chr. zu finden. Sie tauchen im Zusammenhang mit Kriegszügen der assyrischen Herrscher gegen die in das Reich einfallenden Aramäer auf. Die verschiedenen Nachrichten deuten auf eine Herkunft der Aramäer aus dem Gebiet um den mittleren Euphrat. Umstritten ist immer noch, ob die Aramäer aus dem oberen Euphrat- und Chaburgebiet kamen oder ob sie aus der weiter südlich gelegenen arabischen Wüste nach Norden drangen. Ihre Ausbreitung ging jedenfalls sehr schnell vor sich, sowohl entlang des oberen Euphrat bis hin zum Tigrisgebiet, als auch zum Libanon und nach Damaskus.

(Quellen: A. Šanda, Die Aramäer. Berlin 1900; Schiffer, S, Die Aramäer, ND Gütersloh 1992; M. Noth, Die Aramäer, in: ZDPV 68 (1949/1951), 19-36; A. Jepsen, Aramäer, in: RGG (3. Aufl.) I, 1957, 531-532; M. Dietrich, Die Aramäer Südbabyloniens in der Sargonidenzeit (700-648), Neukirchen 1970; Maximilian Streck, Über die älteste Geschichte der Aramäer, in: Klio 6 (1906), 185-225; Unger Eckhard, Aramäer in assyrischer Darstellung, RLA I 1928.)